Astronomisches Sehen – von den Galaxien und Nebeln zu Komet ISON

Astronomisches SehenSchon bald, in der zweiten Jahreshälfte 2013, besucht uns der Komet ISON. Dann werden sich die Teleskope der Astronomen und Hobby-Astronomen auf ihn richten. Alle hoffen auf ein schönes Himmelsspektakel und dass der Komet hell sein genug wird, damit man ihn gut erkennen kann. Möchten wir möglichst viele Details in seiner Koma und im Kometenschweif erkennen, sollten wir die Monate vor seiner Ankunft dafür nutzen, unser ‘astronomisches Sehen‘ zu trainieren. Die Beobachtung von lichtschwachen Galaxien und Gasnebeln, durch ein Teleskop oder großes Fernglas, ist dafür eine ideale Vorbereitung. JETZT ist dafür die beste Zeit!

Was man alles dabei lernen kann, wenn man die Kometen beobachtet, hat uns die irische Amateurastronomin, Kometenbeobachterin, Künstlerin und Buchautorin Deirdre Kelleghan bereits eindrucksvoll geschildert. Auch der Komet ISON wird, wenn er in Sonnennähe nicht völlig verdampfen wird, über mehrere Monate an unserem Himmel zu beobachten sein. Täglich ändert er dann seine Position unter den Sternbildern und wir können ihn auf seiner Reiseroute durch unsere Teleskope begleiten.

Training für die Augen

ISON wird sein Erscheinungsbild ständig ändern. Bei seiner Annäherung an die Sonne verliert er immer mehr Gas und Staub aus seiner Oberfläche, während seine Aktivität nachlassen wird, wenn er sich wieder von ihr entfernt. Wie uns ISON beim Anblick durch unsere Teleskope erscheinen wird, weiß momentan noch niemand. Alles ist möglich. Wir dürfen gespannt sein, welche Details wir in seiner Kometenatmosphäre (Koma), seinem Gas- und Staubschweif erkennen werden. Spezielle Filter, wie ein Swan-Band Kometenfilter, bewirken eine Kontraststeigerung zwischen dem Licht des Kometen und dem Himmelshintergrund. Auf diese Weise werden feinere Details in der Gasatmosphäre eines Kometen besser sichtbar. Unser Vermögen, möglichst viele Details mit unseren Augen zu erkennen, hängt aber entscheidend davon ab wie gut wir unsere Augen für die Beobachtung astronomischer Objekte trainiert haben.

Vom Foto zum eigenen Beobachtungserlebnis

Beobachtet man Kometen, Galaxien oder Gasnebel durch ein mittleres bis größeres Teleskop, wie sie heute Hobby-Astronomen zur Verfügung stehen, wird man diese nicht so bunt und hell wie auf den tollen Fotos sehen, die es zu Hauf im Internet zu finden gibt. Das liegt daran, dass eine Fotokamera oder moderne CCD-Detektoren, anders als unsere Augen, in der Lage sind, das Licht der lichtschwachen astronomischen Objekte zu sammeln und zu verstärken bevor daraus ein Bild entsteht. Zudem bearbeitet der Astrofotograf die gewonnen Aufnahmen auch noch mit speziellen Bildbearbeitungsprogrammen nach. Beobachten wir die lichtschwachen Kometen oder Galaxien mit dem bloßen Auge, durch ein Teleskop, entsteht ein quasi unmittelbarer Seheindruck in unserem Gehirn, auf Basis des von der Netzhaut eingefangenen Lichts. Die Objekte erscheinen weniger detailliert und in der Regel farblos in einem weißlichen Licht. Durch Teleskope mit Öffnungen von mehr als 30cm, und unter sehr dunklem Nachthimmel, kann man hellere Objekte allenfalls in einem grünlichen, bläulichen oder purpurnen Licht erkennen. Die visuelle Beobachtung bleibt, auch im Zeitalter der modernen CCD-Fotografie, ein faszinierendes Erlebnis. Viele Hobby-Astronomen schwören auf den unmittelbaren Seheindruck mit den eigenen Augen und zeichnen das Gesehene sogar lieber als sich mit der millionsten Fotografie des Orionnebles zu beschäftigen.

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Bei indirektem Sehen, sieht man mehr!

Gelegentliche oder unerfahrene Beobachter, also gerade auch Einsteiger in der Hobby-Astronomie, werden durch ein Teleskop anfangs weniger Einzelheiten erkennen können als erfahrene Beobachter, die ihre Augen schon soweit trainiert haben, dass sie auch noch schwächste Feinheiten in den Kometen, Galaxien und Gasnebeln erkennen. Fortgeschrittene Amateurastronomen wissen auch um die Bedeutung der Dunkeladaption. Soe beobachten die lichtschwachen Himmelobjekte erst, wenn sich ihre Augen komplett an die Dunkelheit der Nacht angepasst haben. Erst dann werden Sie in der Lage sein, die vielen schwachen Details der unterschiedlichen Objekte erkennen zu können. Da der lichtempfindlichste Punkt der Netzhaut auch gar nicht genau in ihrer Augenmitte liegt, werden sie mehr erkennen können, wenn sie etwas an den Objekten vorbei schauen! Probieren Sie dieses ‘indirekte Sehen‘ einmal selber aus. Sie werden überrascht sein, wie stark sich dieser Effekt auswirkt und wie gut man ihn ausnutzen kann. Dabei ist Übung alles. Gehen Sie mit Ihrem Teleskop so oft unter die Sterne, wie es Ihnen möglich ist!

Astronomen nehmen sich Zeit und sehen mehr

Mit Hilfe eines guten Sternenatlas, oder der motorischen Goto-Computersteuerung Ihres Teleskops, finden sie die Galaxien und Gasnebel, die man gerade am Himmel beobachten kann. Wer dabei zu schnell und hektisch durch sein neues oder altes Teleskop sieht wird niemals ein befriedigendes Beobachtungserlebnis haben. Nehmen Sie sich dafür also immer genug Zeit und beobachten sie einzelne Objekte ganz in Ruhe und auch länger. Sie werden dann immer mehr Einzelheiten erkennen und Ihr ‘astronomisches Sehen’ stetig verbessern. Machen Sie sich dabei einmal bewusst, dass das Licht, welches in Ihre Augen fällt, Tausende oder sogar Millionen Lichtjahre durch das All gereist ist. Und das Licht der Kometen ist mehrere Minuten oder Stunden zu uns unterwegs. Da lohnt ein längerer Blick.

Das schönste Hobby der Welt – bereit sein für ISON

Wenn Sie Einsteiger in die Hobby-Astronomie sind, und es das Wetter sowie Ihr Terminplan erlauben, dann nutzen Sie jede klare Nacht für Ihre eigenen Beobachtungen. Jetzt ist die beste Zeit dafür. Das gilt natürlich auch für fortgeschrittene Beobachter. Bereiten Sie sich gut auf die Ankunft von ISON vor. Lernen Sie Ihr Teleskop, den Sternenhimmel und die Objekte besser kennen. Das hilft Ihnen bei der Orientierung und Sie können mit der Zeit auch viel besser einschätzen, was Sie bei der Beobachtung durch ein Teleskop erwarten können. Wer die Feinheiten der Galaxien und Gasnebel gut erkennen kann, der kann auch den Komet ISON in allen seinen Details beobachten. So ist ISON auch der Startschuss und die Motivation für das schönste Hobby des Universums – die Amateurastronomie!

NACHTRAG

Kommentar von Daniel Fischer (Skyweek wei Punkt Null) auf facebook: “Die Herausforderungen an ISON sind – für die breite Bevölkerung, die ihn rund ums Perihel mit einfachen Mitteln sehen will – leider *völlig* andere als in der Deep-Sky-Beobachtung, weil ausschließlich in der Dämmerung und durch viel Airmass und nie an dunklem Himmel und/oder hoch am Himmel beobachtet werden kann. Was das bedeutet, damit beschäftigt sich ausführlich ein ISON-Buch (made in Sternfreunde-Land), das F. Gasparini und ich gerade geschrieben haben und das im September raus kommt. (…) das Training *jetzt* sollte eher aus dem Kennenlernen der normalen Dämmerungserscheinungen und -verläufe bestehen, so dass man den Kometen überhaupt ohne Hilfestellung ‘herauspicken’ kann. Und man könnte üben, Sterne oder Planeten unter besch… Bedingungen aufzusuchen – die Merkur-Abendsichtbarkeit diesen Monat eignete sich exzellent dafür, wie ich in https://bonnstern.wordpress.com/2013/06/15/noch-mehr-himmels-feuer-abschied-von-merkur-und-was-das-alles-mit-ison-zu-tun-hat beschrieb (das Ergebnis fand ich übrigens ziemlich ernüchternd). Was auch immer gerne übersehen wird, ist das gewaltige Problem der Airmass, wenn ein Objekt nur ein paar Grad hoch steht(…)

Das ist richtig und danke für den Hinweis auf Euer Buch (bitte gerne ein Besprechungsexemplar an mich!), aber auch hier kommt es ja darauf an möglichst schwache Details erkennen zu können. Ungeübten Beobachtern fällt dies sicher schwerer als Erfahreneren, egal bei welcher Himmelshelligkeit. Der aufgehellte Himmel stellt natürlich noch größere Anforderungen, da der Kontast zum Kometen viel geringer sein wird. Ich würde trotzdem nicht gleich ‘Schwarz’ sehen und erstmal hoffen, dass ISON doch noch zu einem ansehnlichen Kometen wird, sein Perihel überlebt, den Menschen auffällt und sie mehr für die Vorgänge am Himmel begeistern kann:)

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