Beobachten “Marsmenschen” den Kometen ISON?

Der Komet ISON in Marsnähe, Simulation (c) NASADer US-Biologe Steve Benner ist davon überzeugt, dass das Leben auf der Erde ursprünglich auf unserem Nachbarplaneten Mars entstanden ist. Dies verkündete er soeben in seinem Vortrag “Planets, Minerals and Life’s Origin” auf der Goldschmidt Conference in Florenz. Der Mars steht aktuell auch im Brennpunkt der internationalen Erforschung des Kometen ISON, der im Oktober am roten Planeten vorbei fliegen wird. Ist es nicht eine schöne Vorstellung, dass das irdische Leben, und damit auch wir Menschen, möglicherweise ihre Wurzeln auf dem Mars haben und wir nun unsere Raumsonden auf dem Mars dazu einsetzen den Kometen ISON zu beobachten? Die Raumsonden als Späher der Menschheit, geschaffen von Erdenbürgern und “Marsmenschen”…

“Es mehren sich die Hinweise, dass wir alle tatsächlich Marsianer sind”, sagt Benner. “Das Leben könnte auf dem Mars entstanden und auf einem Felsbrocken zur Erde gekommen sein.” Weitere Informationen zu Benners Theorie finden sich unter “Mars macht lebendig” (heise,Telepolis) und im Abstract zu Benners Vortrag.
Echte Beweise für Benners Behauptung gibt es bisher jedoch nicht. Die Diskussionen in der wissenschaftlichen Fachwelt gehen weiter und Benners Thesen werden sicherlich noch heiß diskutiert werden. Dabei ist die Idee, das Leben könnte vom Mars auf die Erde gekommen sein, gar nicht neu. Spätestens seit der Entdeckung von möglicherweise versteinerten Überresten von Mars-Bakterien in dem auf der Erde gefundenen Mars-Meteoriten ALH84001 wird darüber diskutiert.

[Nachtrag 18.00 Uhr: via ‏@cosmos4u: "The best piece following up the 'Life's from Mars!' press release (anyone actually heard Benner's *talk*?) I've seen:Maybe Mars Seeded Earth’s Life, Maybe It Didn’t (Caleb A. Scharf, Scientifc American). Und dort gefällt mir besonders Scharfs 'wildes' Gedankenspiel "Perhaps, just perhaps, the to-and-fro of small chunks of material between these planets itself played a role in stirring the pre-biotic chemical pots of both worlds..."].

Oktober 2013 – Mars und ISON am Morgenhimmel!

Im Oktober kann man den Mars auch am frühen Morgenhimmel mit dem bloßen Auge beobachten. Vor Sonnenaufgang steht er über dem Osthorizont. Seine tief orange Farbe lässt sich leicht erkennen. Im Teleskop und bei Einsatz höherer Vergrößerungen erkennt man sein Planetenscheibchen und schon einige Details seiner Oberfläche, auch wenn das Marsscheibchen im Oktober noch sehr klein ist, da der Mars sich noch nicht in Erdnähe befindet. Mars wird erst am 8. April 2014 wieder in Opposition stehen und wird dann noch besser durch ein Teleskop zu beobachten sein. Dennoch bietet sich gerade jetzt, im Oktober 2013, eine einmalige Gelegenheit, denn der Komet ISON wird in unmittelbarer Nähe des Mars am Himmel stehen und diesen über mehrere Wochen ‘begleiten’.

Komet ISON, Mars und Regulus am Morgenhimmel des 15. Oktober 2013, Quelle StellariumAm 15. Oktober stehen ISON, Mars und Regulus, der leicht bläuliche Hauptstern des Sternbilds Löwe, auf einer Linie (siehe Abb. oben, die mit Hilfe des Programms Stellarium entstand). Der Komet ISON wird dann also besonders leicht auffindbar sein, da man Mars und Regulus einfach als Orientierungshilfe hinzuziehen kann. Auch einige Tage vor und nach dem 15. Oktober fällt die Suche nach ISON leichter, auch wenn die Dreierkonstellation dann natürlich etwas anders aussieht. ISON, Mars und Regulus werden auf jeden Fall auch ein schönes Fotomotiv abgeben, vorausgesetzt es gelingt den noch lichtschwachen Kometen abzubilden. Beobachter werden mindestens ein kleines Teleskop benötigen, um ISON zu erkennen. Erst zum Monatsende Oktober wird ISON dann wohl hell genug sein und wird ein lohnendes Objekt für Fernglasbesitzer. Unter richtig dunklem Himmel, fern von den störenden Lichtglocken unserer Städte, kann man ISON dann vielleicht sogar schon mit dem bloßen Auge erkennen.

Komet ISON im Fokus von Raumsonden

Die Erscheinung ISONs in der Nähe des Mars ist übrigens kein perspektivischer Zufall, weil ISON für uns nur in Sichtlinie des Mars steht; Vielmehr wird der Komet den Mars tatsächlich in einem relativ geringen Abstand von 10.8 Millionen Kilometern passieren (siehe die Abbildung ganz oben)! Zum Vergleich: ISON wird unserer Erde am 27. Dezember 2013 auf einen Abstand von rund 60 Millionen Kilometern nahe kommen, vorausgesetzt er übersteht seinen sonnennächsten Punkt. ISON kommt dem Mars am 7. Oktober also sechsmal näher als unserem Heimatplaneten. Für Beobachter auf dem Mars würde der Komet in einer scheinbaren Helligkeit von 2mag erscheinen. Die Raumsonden und Marsroboter der NASA und ESA werden ihre Kameras auf ISON richten, wenn er dem Mars seinen Besuch abstattet. Die Ergebnisse ihrer Aufnahmen und Analysen werden sicherlich einen größeren Erkenntnisgewinn über den Kometen mit sich bringen und zuverlässigere Prognosen über ISONs weiteres Schicksal ermöglichen. Der Mars Reconnaissance Orbiter hat ISON bereits am 20. August mit seinem Teleskop beobachtet. Weitere Beobachtungen sollen, wenn ISON dem Mars noch näher steht, folgen und erste Ergebnisse über ISONs Zusammensetzung werden mit Spannung erwartet.


Video: ScienceCasts – Comet ISON to Fly By Mars, Quelle YouTube, ScienceAtNASA

Die Helligkeitsentwicklung ISONs im Oktober wird uns auf jeden Fall der Erkenntnis näher bringen, ob ISON zu einem richtig großen und hellen Kometen werden kann. Falls es im Oktober danach aussehen wird, und ISON seine sonnennächste Position (Perihel am 28. November) weitgehend unbeschadet überstehen wird, dann könnte er uns am 18. Dezember eventuell so erscheinen (Quelle: Stuart Atkinson). Aber das ist alles noch graue, aufregende Theorie. – Die Hoffnung auf eine großartige ISON-Show an unserem Himmel stirbt zuletzt!

Linktipp: Aufsuchkarten für Komet ISON im September und Oktober

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