Besser als die NASA? – Gut ausgerüstete Amateurastronomen erforschen den Kometen ISON

Komet C/2012 S1 ISON am Morgen des 5. September 2013, PlaneWave 17", (c) Gianluca MasiWährend zahllose Hobby- und Amateurastronomen den Kometen ISON bereits intensiv beobachten und fotografieren, sieht sich die amerikanische Weltraumbehörde NASA und die ‘NASA Comet Ison Observing Campaign‘ (CIOC) zunehmenden Fragen und Vorwürfen ausgesetzt. Die Öffentlichkeit wundert sich, warum es keine neuen Aufnahmen der NASA gibt, die ISON in noch größerem Detail zeigen könnten. Die Antwort der CIOC ist ebenso überraschend wie einfach: Die Amateurastronomen verfügen über die geeignete Ausrüstung, haben das nötige Know-how und können damit wesentlich flexibler arbeiten als die NASA!

Foto oben: Nicht der NASA, sondern einem italienischen Amateurastronomen gelang diese Aufnahme des Kometen ISON am Morgen des 5. September 2013, PlaneWave 17″, (c) Gianluca Masi, Ceccano (FR), Italien – The Virtual Telescope Project – www.virtualtelescope.eu

Die NASA? Sind das nicht die Helden unserer Jugend, die den ersten Menschen auf den Mond gebracht haben, und die einfach ALLES konnten? Und sind das nicht Leute, die bald Astronauten auf einem echten Asteroiden absetzen wollen? Ja genau! – Betrachtet man aber die kleine Pannenserie der NASA, bei der Erkundung des Kometen ISON, dann könnte man schon auf die Idee kommen, dass sich die NASA heutzutage nicht gerade mit Ruhm bekleckert… .

Verwackelter ISON – Hubble Fotos mit Hindernissen

Komet ISON am 30. April 2013, Credit: NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)Die letzten NASA/HUBBLE Aufnahmen von Komet ISON, einem angehenden ‘Jahrhundertkometen‘, will man den sehr optimistischen Stimmen noch glauben schenken, liegen schon einige Monate zurück. Das Hubble-Teleskop nahm ISON am 30. April 2013 ins Visier. Dabei hatte die NASA bereits mit Problemen zu kämpfen. Die Bewegungen des Kometen und des Weltraumteleskops erschwerten die Fotografie enorm. So kam es, dass man kein echtes Farbfoto von ISON gewinnen konnte, sondern sich des eher uneleganten Tricks bediente, eine Schwarz-Weiß Aufnahme ISONS einfach in den farbig fotografierten Hintergrund des Weltraums hinein zu kopieren.

Foto: Komet ISON in Schwarz-Weiß, am 30. April 2013, Credit: NASA, ESA, and the Hubble Heritage Team (STScI/AURA)

Experten fiel diese Unstimmigkeit sofort auf und die NASA schob ihre etwas späte Erklärung dann auch prompt hinterher. Vielleicht hätte die NASA auf die Veröffentlichung der missglückten Aufnahmen ganz verzichten sollen. Bei UFO-Gläubigen und leider auch Journalisten der traditionellen Medien, zum Beispiel in Deutschland, blieben derlei Erklärungen jedenfalls ungehört (wir berichteten) und die nächste Verschwörungstheorie war geboren.

Hubble und ISON – Fortsetzung folgt?

Und warum fotografierte man ISON mit dem Hubble-Teleskop eigentlich nicht weiter, auch die letzten Monate hindurch? Warum veröffentlichten weder die NASA noch die CIOC neue Aufnahmen des Kometen, und warum musste es am 12. August ausgerechnet ein Amateurastronom, nämlich Bruce Gray, sein, der ISON als erster wiederentdeckte, nachdem der Komet sich aus dem hellen Schein der Sonne herausgeschält hatte? Diese und andere Fragen (“Why did it take an amateur astronomer to recover Comet ISON? Why didn’t NASA do it? You have billions of dollars of telescopes! You even have Hubble!! Why aren’t YOU doing this??!“) sind auf die NASA und die Betreiber der ‘NASA Comet Ison Observing Campaign’ (CIOC) in so großer Zahl niedergeprasselt, dass man sich scheinbar gezwungen sah, sich im eigenen Blog zu erklären und zu rechtfertigen. Beim Lesen des Blog-Beitrags ‘Why couldn’t NASA recover Comet ISON?‘ vom 30.08. lässt sich nur erahnen, welchen Anfeindungen (“some more polite than others“) die Mitarbeiter der CIOC ausgesetzt sein müssen. Die Ausführungen von ‘Karl’ klingen doch etwas dünnhäutig und man gewinnt fast den Eindruck, dass die Nerven der CIOC-Mitarbeiter und der NASA blank liegen.

Karl erklärt schließlich, dass man weder das Hubble Teleskop, noch andere Teleskope größerer Observatorien, auf ISON richten durfte, da man für diese strenge Richtlinien zum Schutz der Instrumente einhalten müsse. In den letzten Monaten sei es für diese Teleskope einfach zu gefährlich, den Kometen zu beobachten und zu fotografieren. Zu sehr habe sich ISON in Sichtlinie der viel zu hellen Sonne befunden. Zudem seien auch die freien Beobachtungszeiten der Profi-Teleskope sehr eingeschränkt und erlaubten nur wenige spontane Kometenbeobachtungen. Gut ausgerüstete Amateurastronomen hingegen, die über ausreichend Erfahrung verfügten und ihre Teleskope auf den Kometen richten könnten, wann immer sie es wollten, seien dadurch sehr im Vorteil, so Karl weiter. Die “Wiederentdeckung” ISONs in der frühen Morgendämmerung, durch den Amateurastronomen Bruce Gray, und eben nicht die NASA, sei daher wenig überraschend. Es seien vielmehr großartige Leistungen, die zeigen würden, dass heutige Amateurastronomen wesentliche Beiträge zur Erforschung des Kometen ISON leisten können.

Der Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) fotografiert ISON …. leider nicht!

Mars Reconnaissance Orbiter, Credit NASA, JPLIm neuen Blog-Beitrag “Show Me The Data!” vom 2. September finden die Rechtfertigungen und Erklärungen der CIOC eine Fortsetzung (“Time for another blog post in response to a thousand questions!“). In den letzten Tagen habe man erneut viele Fragen erhalten, deren Absender erneut wissen wollten, warum es eigentlich keine neue NASA-Bilder von ISON gibt. Es gibt keine (“there aren’t any!” und “we are not NASA! (…) CIOC does not collect data (…) we have no data to supply!“), lautet Karls einfache wie überraschende Antwort. Wie kann das sein? Eigentlich sollte der Mars Reconnaissance Orbiter (MRO) der NASA den Kometen ISON bereits fotografieren. Auf den belichteten Bildern entdeckten die Wissenschaftler jedoch keine sichtbare Spur des Kometen. Ob der Komet noch zu lichtschwach für die Instrumente des MRO waren, oder ob man schlicht den falschen Himmelsausschnitt ins Visier genommen hat, blieb unklar. Die eigentlichen Beobachtungen sollen jedoch ohnehin erst im Oktober folgen, wenn ISON sich in Marsnähe befindet und nicht mehr zu übersehen sein sollte, schwächt die CIOC ab.

Foto: Der Mars Reconnaissance Orbiter, Credit NASA, JPL

Die Mitarbeiter von CIOC gehen nun selbst gegenüber der NASA auf Distanz, wenn sie schreiben, dass sie ja nicht die NASA seien (trotzdem heißt die Kampagne wunderlicherweise “NASA Comet ISON Observing Campaign”). Vielmehr sei die CIOC ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern verschiedener Arbeitgeber, Hintergründe und Interessen auf dem Gebiet der Kometenforschung, die auf Empfehlung der NASA zusammengekommen seien, um eine globale ISON Beobachtungskampagne besser organisieren zu können. Für die Fehlschläge der NASA möchte man augenscheinlich lieber nicht persönlich verantwortlich gemacht werden.

Die EPOXI/Deep Impact (DI) Mission … im Funkloch?

Die Raumsonde Deep Impact, CREDIT: Ball Aerospace & Technologies Corp.Als ebenso simpel wie unbefriedigend bezeichnet die CIOC schließlich auch den missglückten Versuch, den Kometen ISON mit den Instrumenten der NASA Sonde Deep Impact (DI) aufzunehmen. Genau zur Zeit der geplanten Beobachtung, zwischen dem 11. und 14. August, habe die NASA leider den Kontakt zu Sonde verloren! Foto rechts: Die Raumsonde Deep Impact, CREDIT: Ball Aerospace & Technologies Corp.

Der Kontakt sei inzwischen zwar wieder hergestellt, jedoch kenne man die Gründe für den Ausfall noch nicht. Auch, ob weitere Beobachtungen des Kometen mit DI möglich seien, wisse man noch nicht.

ISON beim Mars – Endlich, die große Stunde der NASA?

ISON wird nun bald für die NASA STEREO/SECCHI HI-2A Sonde sichtbar werden. Wissenschaftler und die interessierte Öffentlichkeit warten schon gespannt auf die ersten Aufnahmen. Die Sonde kann den Kometen dann bis in den Dezember hinein beobachten. Anfang Oktober zieht ISON dann am Mars vorbei. Viele Raumsonden und Marsrobotor werden ihre Kameras und Messinstrumente auf den Kometen richten. Kann die NASA dabei ihren leicht ramponierten Ruf wieder herstellen? Bleiben die Wissenschaftler der CIOC von weiteren Vorwürfen und Nachfragen der leicht ungeduldigen Öffentlichkeit verschont, so dass sie sich wieder auf ihre eigentliche Arbeit konzentrieren können? Hoffen wir das Beste, denn sonst liegt die erfolgreiche Erforschung des Kometen ISON am Ende wohl tatsächlich nur noch in den Händen und Teleskopen der Hobby- und Amateurastronomen weltweit.

Warum sind Hobby- und Amateurastronomen so erfolgreiche Kometenbeobachter? Lesen Sie im nächsten Beitrag mehr über ihre Ausrüstung, die Erfahrung und die ersten Ergebnisse.

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