CIOC: Ist Komet ISON zerbrochen oder weiterhin intakt?

Komet ISON am 15.11.2013, (c) Hidekazu Hanayama und Hideo Fukushima, Ishigakijima Astronomical Observatory, NAOJ., Okinawa, JapanDie NASA Comet ISON Observing Campaign (CIOC) sieht das Auseinanderbrechen von ISONs Kometenkern nicht als eine bewiesene Tatsache an. Die beobachteten Veränderungen innerhalb der Kometenkoma könnten auch nur ein Beleg für die weiter ansteigende Aktivität des Kometen sein. Erst weitere Beobachtungen der nächsten Tage werden zeigen, welche der beiden Theorien stimmt. ISON könnte sich komplett auflösen. Er könnte aber auch ‘überleben’ und so zu dem erhofften Himmelsspektakel im Dezember werden.

Foto oben: Komet ISON am 15.11.2013, (c) Hidekazu Hanayama und Hideo Fukushima, Ishigakijima Astronomical Observatory, NAOJ., Okinawa, Japan

Did ISON Fragment? lautet das heutige Blog-Posting der CIOC. Es ist eine Reaktion auf eine Veröffentlichung, die zur Zeit die Runde im Internet macht (wir berichteten). Darin wird behauptet, dass die Ursache von Bögen (coma wings), welche man in ISONs Koma entdeckt hat, im Vorhandensein von zwei oder mehreren Kern-Bruchstücken zu finden ist. Die CIOC hält diese Interpretation der Beobachtungen zwar für möglich, aber verfrüht. Es könne auch sein, dass die Bögen durch andere Prozesse, während der zunehmenden Sonnennähe, hervorgerufen werden. Sie wären dann einfach nur ein Hinweis auf die weiter steigende Aktivität des Kometen.

Die folgenden drei Alternativen werden von der CIOC genannt:

  1. Das Erscheinungsbild der beobachteten Bögen (coma wings) wirkt bemerkenswert symmetrisch. Im Falle eines Auseinanderbrechens des Kometenkerns würde man aber eher asymmetrische Erscheinungen erwarten. Einige der losgelösten Fragmente würden auch innerhalb des Kometenschweifs wegdriften. Dies wird derzeit (noch) nicht beobachtet. ISON könnte also weiterhin intakt sein.
  2. Mehrere Jets* konnten kurz vor dem rasanten Anstieg der Kometenaktivität, der letzten Tage, beobachtet werden. Diese könnten für die Entstehung der nun beobachteten Bögen verantwortlich sein, die dann aus der verstärkten Emmission von Kometenstaub resultieren.
    *Die Freisetzung von Material aus dem Kometenkern in die innere Koma kann manchmal direkt beobachtet werden. Unter dem Einfluss zunehmender Sonnenhitze dringt Gas explosionsartig an die Oberfläche und reißt dabei auch Kometenstaub mit sich. Es bilden sich regelrechte Staubfontänen (Jets).
  3. Die beobachteten Bögen könnten einfach auch das Resultat der Wechselwirkung zwischen Sonnenwind und Kometenkoma sein. Koronale Massenauswürfe unserer Sonne könnten zu Staubverdichtungen innerhalb der Kometenkoma führen und entsprechende Muster (coma wings) bilden. In der Tat sollen Raumsonden Hinweise auf solche Ereignisse gefunden haben, über die die CIOC später noch berichten wird.

Sollte ISONs Kometenkern tatsächlich zerfallen sein, dann müssten innerhalb der Koma wirklich dramatische Veränderungen sichtbar werden. Einem starken Helligkeitsanstieg der Koma müsste dann eine rapide Helligkeitsabnahme folgen. Momentan ist davon aber noch nichts zu bemerken und ISON ist weiter auf Kurs.

Sind Jets für die beobachteten Bögen (coma wings) verantwortlich, dann sollten diese Bögen weiter bestehen blieben und wachsen. Wird das sichtbare Verhalten jedoch nur vom Sonnenwind gesteuert, dann sollten sich die Bögen kontinuierlich, und je nach Richtung und Stärke des Sonnenwindes, verändern. Einige Raumsonden, die Ihre Messinstrumente noch auf ISON richten werden, sollten dies bald überprüfen können.

Komet ISON ist weiterhin eine “Wundertüte” voller Möglichkeiten

Die CIOC ermutigt Experten wie Amateurastronomen zu weiteren Beobachtungen und Kometenaufnahmen. Diese sollen mit der Community geteilt und diskutiert werden, damit man rasch Fortschritte bei der Einschätzung des Lage machen kann. Die Helligkeit des Kometen liegt derzeit bei 4-5 mag. (siehe auch Kosmas Gazeas aktuelle Aufnahme vom 18. November und Marco Migliardi nutzt eine Wolkenlücke für diese stimmungsvolle Aufnahme von ISON neben Spica). ISON ist also längst ein Objekt für das bloße Auge und ein schönes Objekt für das Fernglas. Leider nur steht der Komet am frühen Morgen immer mehr in der Morgendämmerung und kommt der Sonne näher. Dazu gesellt sich auch noch das helle Licht des Mondes, so dass eine weitere Beobachtung bis Ende November nicht gerade leichter wird, sondern fast unmöglich. Im Dezember würde sich die Lage wieder verbessern. ISON bewegt sich mit fast 60 km/sek. auf den sonnennächsten Punkt seiner Bahn zu, den er am 28. November erreichen wird! Diverse Raumsonden werden dieses Ereignis genau beobachten und uns Aufschluss über ISONs Schicksal geben.

Übersteht ISON seine Sonnenpassage, löst er sich etwa komplett auf oder zerfällt er in mehrere Bruchstücke, die im Dezember alle mit einem eigenen Schweif am Himmel stehen könnten? Das wäre dann die beste Beobachtungszeit für den Kometen! Es bleibt spannend und alles ist möglich. – Bleiben Sie neugierig!

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Weitere Linktipps:

ISON Kometenkern soll in zwei oder mehr Teile zerbrochen sein

Newsticker 17.11.2013: Komet ISON bei Spica – Schicksal des Kometen ist noch ungewiss

Zur weiteren Sichtbarkeit des Kometen ISON

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