Deirdre Kelleghan – Was uns die Kometen lehren

Zeichnung des Kometen 17/P Holmes, 28.10.2007, (c) Deirdre KelleghanMein Interesse an Kometen wurde im Jahr 1986 geweckt, als ich den Komet 1P/Halley, aus meinem Garten hinter dem Haus, durch ein kleines und wackeliges Teleskop sehen konnte. Ich zeigte ihn mehreren Personen, und zehn Jahre später tat ich das Gleiche mit dem Kometen C/1996 B2 Hyakutake, wieder durch das kleine 50mm-Teleskop auf seinem wackeligen hölzernen Stativ. Im April 1997 erschien der wunderbare Komet Hale Bopp am irischen Himmel, das war ein wirklich großartiger Anblick für das bloße Auge. Die ganze Zeit über wuchs mein Interesse an Kometen, aber im Nachhinein, ich bin mir über die Gründe selbst nicht im klaren, dokumentierte ich meine Eindrücke von den Kometen noch nicht zeichnerisch, sondern nur in meiner Erinnerung…

Abb. oben: Komet 17 / P Holmes, 28. Oktober 2007, 18.40 UT, Mag 2, 1200mm/8mm/150X Pastel/Conte (Bleistift)/Schwarzes Papier, (c) Deirdre Kelleghan

Komet C/2004 Q2 Machholz zog meine ganze Aufmerksamkeit auf sich. Meine Augen folgten ihm und ich skizziert seine Bahn zwischen dem 22. Dezember 2004 und dem 2. März 2005, bis ich nicht mehr sehen konnte. Ich begann die Beobachtung dieses grauen Kleckses im Weltraum mit einem 10X50 Zeiss Fernglas, als er unweit von Rigel am Nachthimmel stand. Ich beobachtete und zeichnete ihn, während er Anfang Januar 2005 durch den Stier reiste, im Februar die Cassiopeia passierte und sich schließlich in der Nähe von Polaris wieder meinen Blicken entzog.

Ich erstellte eine große und prächtige Karte von der Reise dieses Kometen durch meinen Himmel und lernte dabei sehr viel. Denn während ich ihm folgte, achtete ich auf die Sternbilder, Nebel und andere stellare Objekte entlang seines Weges.

Ich habe immer meine Lektionen von den Kometen gelernt. Komet 17/P Holmes war, durch seine einzigartige Aktivität und Reiseroute, ein wertvoller Lehrer. Ich folgte Holmes vom 24. Oktober 2007 bis zum 3. Dezember 2007 mit einem Fernglas und dem Teleskop und zeichnete alle meine Beobachtungseindrücke. Während dieser Zeit produzierte ich 17 Zeichnungen dieses bemerkenswerten Objekts.

Am 3. November beobachtet ich Holmes mit einem 8mm Okular, nachdem ich ihn ein paar Tage lang nicht gesehen hatte. Der Komet füllte vollständig das Gesichtsfeld aus. Ich war allerdings zu nahe dran und derart vom Mangel an offensichtlichen Details überfordert, dass ich Holmes nicht zeichnen konnte. Die Koma des Kometen war enorm ausgedehnt und ihr äußerer Rand lag außerhalb meines Sichtfeldes. Ich hätte einfach zeichnen sollen, was ich sehe, und nach einem Okularwechsel hätte ich noch weitere Zeichnungen anfertigen können.

Lektion für die Zukunft: Zeichne alles, was Du siehst, auch wenn es Dir merkwürdig vorkommt; Oder gerade dann, wenn es Dir merkwüdig vorkommt, zeichne es!
Wer hätte gedacht, dass dieser Komet Holmes sich so weit ausdehnen würde, dass er, für eine kurze Zeit, das größte Objekt im Sonnensystem ist!

Als ich am 24. Oktober mit meiner Zeichnung von Holmes begann, verwendete ich dazu noch keine Kreisschablone in der Größe des Gesichtsfelds meines Okulars. Ich war von dieser visuellen Einheit und Größe des Kometen, die sich jeden Abend vor meinen Augen änderte, einfach fasziniert. Ich zeichnete, um die sichtbaren Details festzuhalten, aber ich hielt dabei leider noch nicht seine sich ändernde Ausdehnung, im Verhältnis zum Okular-Gesichtsfeld, fest.

Ein Freund, ein wirklich großartiger Beobachter, hatte mich zwar schon auf den Wert von Kreisschablonen, passend zu den jeweils eingesetzten Okularen, hingewiesen, aber ich nahm darauf so lange keine Rücksicht, bis ich Schwierigkeiten hatte die Ausdehnung des Kometen am 3. November zeichnerisch festzuhalten. Schlagartig wurde mir so der Sinn solcher Kreisschablonen klar.

Lektion für die Zukunft: Zeichne alle sichtbaren Änderungen eines Kometen innerhalb einer passenden Okular-Kreisschablone, denn Du weißt nie, was noch alles mit dem beobachteten Kometen passieren wird.

Eine meiner denkwürdigsten Zeichnungen des Kometen Holmes entstand am 28. Oktober 2007 (siehe Abb. ganz oben). Dazu schrieb ich damals auf:

Komet 17 / P Holmes in einem Spin
28. Oktober 2007
18.40 UT Mag 2
1200mm/8mm/150X Pastel/Conte (Bleistift)/Schwarzes Papier

Hier ist meine Skizze von gestern Abend. Ich warf einen längeren Blick in den Kometenhalo (die innere Koma) um den Kern. Das Material, welches aus dem stecknadelgroßen Zentrum herausströmte, schien sich in eine südlichere Richtung zu bewegen, als noch am 26. Oktober. Ich konnte dunklere Bereiche sehen, die sich, innerhalb des Halos, in eine entgegengesetzte Richtung auffächerten. Durch den äußeren Halo war ein einzelner Stern zu sehen. Der Stern erschien mir ähnlich groß wie das Kometenzentrum, war aber etwas lichtschwächer. Vermutlich muss das dort ausströmende Kometenmaterial daher eher dünn verteilt sein? Ich habe noch weitere Sterne im Umfeld eingezeichnet, konnte sie aber noch nicht näher identifizieren. Das alles konnte ich beobachten, obwohl der 17 Tage alte Mond fast genau unterhalb dieser Szenerie aufging.

Ich vermutete, dass der Komet fast wie ein rotierender Propeller aussehen musste, als ich meine Zeichnung am späten Abend studierte. Und tatsächlich stellte sich, einige Tage später, und nach den Untersuchung des Kometen durch Experten, heraus, dass sich Komet Holmes drehte. Diese Rotation wurde durch verschiedene Ausgasungen an seiner Oberfläche ausgelöst.

Im Laufe der Jahre habe ich viele Kometen gezeichnet, zuletzt auch C/2011 L4 (PANSTARRS), dessen Sichtung, in der Abenddämmerung über meinem Wohnort, war mir eine echte Freude.

Kometenzeichnung eines Kindes, Quelle: Deirdre KelleghanDie Anfertigung genauer Zeichnungen der Kometen kann uns solide Informationen über diese Objekte liefern und uns persönlich ungemein befriedigen. Ein weiterer Aspekt ist, dass ich meine Freude und mein Wissen über die Wunder der Kometen mit Kindern teile. So führte ich unlängst die Kinder meines Astronomie-Schul-Clubs, die “St. Cronans CroKidz”, in die Strukturen der Kometen ein. Dazu führte ich mit ihnen einen einfachen Kometen-Zeichen-Workshop durch. Keines der Kinder hat jemals einen echten Kometen mit eigenen Augen gesehen. Selbst wenn Komet C/2012S1 ISON nur mit der Hälfte seiner erhofften Helligkeit am Himmel erscheinen wird, werden wir dieses Versäumnis später im Jahr nachholen können.

Kinder des Astronomie-Schul-Clubs "St. Cronans CroKidz" bei der Zeichnung von Kometen, Quelle: Deirdre KelleghanAuf dieser Seite sehen Sie einige einfache Kometen-Zeichnungen, welche von Kindern in meinem Astro-Club erstellt wurden. Darauf aufbauend werden wir sogar auch bald unseren eigene Kometen nachbauen. All dies soll die Kinder mit den Kometen und insbesondere mit Komet ISON vertraut zu machen. Wenn der “Sonnenstreifer” (engl. Sungrazer) ISON dann seinen Auftritt am Himmel hat, und wir ihn hoffentlich zusammen über Bray Co Wicklow (Irland) beobachten können, werden sich die Kinder an die Bezeichnungen seiner einzelnen Teile erinnern. – Deirdre Kelleghan

Linktipps:

Der Originalbeitrag dieses Atikels von Deirdre Kelleghan in englischer Sprache (Pdf)

Deirdre Kelleghan Website http://www.deirdrekelleghan.net/

Die “St.Cronans Stargazer Astronomy Group” auf facebook

Kometenzeichnung eines Kindes, Quelle: Deirdre Kelleghan

Weitere Linktipps:

Buchtipp: Kometen- Eine Einführung für Hobby-Astronomen

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