Die ‘Lazarus’ Kometen – Untote auf einem Kometenfriedhof im Asteroidengürtel?

Lazarus Kometen, (c) NASADie Kometen PANSTARRS und LEMMON werden immer lichtschwächer und entfernen sich weiter von der Erde, während Komet ISON bald die himmlische Bühne für seinen großen Auftritt betritt. Jetzt glauben Astronomen der Universität von Antioquia (Kolumbien), eine bisher unbekannte Gruppe von uralten und größtenteils inaktiven Kometen entdeckt zu haben. Elf dieser rätselhaften Objekte, die sogenannten ‘LazarusKometen, zeigen eine wiederauflebende Aktivität. Ihre Umlaufbahnen erinnern dabei an Objekte aus dem Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.

Mehr als 500.000 Objekte von 1 m bis 987 km Durchmesser sollen sich im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter befinden, dessen Zone sich in einem Abstand von 2,12 – 3,3 Astronomischen Einheiten (eine Astronomische Einheit ist die mittlere Entfernung zwischen Sonne und Erde) um die Sonne befindet. Obwohl der Asteroidengürtel mit Himmelskörpern übersät ist, schätzt die NASA, dass die Abstände zwischen diesen Objekten von 1 bis 300.0000 Kilometern reichen. Bisher ging man davon aus, dass es sich dabei alleine um Körper handelt, die sich vor Milliarden Jahren zu keinem eigenen Planeten formen konnten. Man hatte eigentlich nicht erwartet, dass sich in dieser Schutt-Zone auch Kometen befinden könnten, doch in den letzten zehn Jahren wurden 11 Kometen in dieser Region entdeckt. Im Raum stehen die Fragen: Warum sind diese Kometen aktiv? Und wie alt sind sie?

Kometen – auferstanden von den Toten

Die Astronomen Ignacio Ferrín, Jorge Zuluaga und Pablo Cuartas von der Universität von Antioquia in Medellin (Kolumbien), denken, dass sie die Antworten auf diese Fragen kennen: “Wir fanden einen Friedhof der Kometen”, sagt Ferrín. Und er fügt hinzu: “Stellen Sie sich all diese 500.000 Asteroiden in diesem absolut dunklen, kalten und geräuschlosen Raum um die Sonne vor, die dort Jahr für Jahr, schon seit einer Ewigkeit, ihre Bahnen ziehen. Dort haben wir noch andere Objekte gefunden, die nicht so tot und völlig inaktiv sind, sondern nur ruhen. Kometen, die wieder zum Leben erwachen können und aktiv werden, sobald die Energie der Sonne, die sie empfangen, nur um wenige Prozentpunkte ansteigt. Dann verströmen sie plötzlich wieder Gase (Sublimation von Wassereis) aus ihrer Oberfläche. Genau dies beobachten wir heute im Asteroidengürtel.”

Neues Modell des Asteroidengürtels, Quelle/(c) Ignatio Ferrin, University of Antioquia

Abb. oben: So sieht das neue Modell des Asteroidengürtels zwischen Mars und Jupiter aus. Im Hauptgürtel findet sich eine Zone schwach aktiver Kometen, Quelle/(c) Ignatio Ferrin, University of Antioquia

Die Astronomen um Ignacio Ferrín gehen inzwischen davon aus, dass der Haupt-Asteroidengürtel, vor Millionen von Jahren, noch tausende solcher aktiver Kometen beherbergt hat. Diese Kometen-Population alterte und ließ mit der Zeit auch in ihrer Aktivität nach. Die Forscher schätzen, dass es sich heute bei 17 Prozent aller Objekte (also rund 85.000) im Asteroidengürtel, nicht um völlig inaktive Asteroiden, sondern um ruhende Kometen handelt. Was die Astronomen heute beobachten (siehe Abb. oben), wäre demnach die Restaktivität einer einst fulminanten Vergangenheit. Elf dieser Brocken seien Kometen, deren Aktivität, aufgrund einer Verminderung ihrer Periheldistanz, wieder leicht zugenommen hat. Das kleine Quantum an Extra-Energie, welches sie von der Sonne empfangen, war demnach ausreichend, um sie auf dem ‘Kometen-Friedhof’ wieder zu beleben.

Kometenforschung trägt zum besseren Verständnis unserer Erde bei

Dieser neu entdeckte Teil des Asteroidengürtels, der vor viele Millionen Jahren entstanden sein könnte, ist die Heimat einiger kurzperiodischer Kometen mit Umlaufzeiten von weniger als 9,5 Jahren. Die Studie von Kometen ist ein wichtiger Bereich der Astrophysik, da diese Objekte von Zeit zu Zeit auch mit der Erde kollidieren. Es gibt sogar die Theorie der Panspermie, wonach Kometen die Bausteine des Lebens auf die Erde gebracht haben sollen. Es ist daher wichtig, diese Objekte zu studieren, um mehr über ihre Eigenschaften, ‘Lebenszeiten’ und ihren Einfluss auf unseren Planeten zu erfahren.

“Alles, was wir über Kometen lernen können, ihre ursprüngliche Verteilung im frühen Sonnensystem, ihre gegenwärtige Verbreitung und Evolution, könnte uns bei der Enthüllung wichtiger Details über die Entwicklung unseres und anderer Planetensysteme helfen”, sagt Prof. Jorge Zuluaga. Der Astronom Pablo Cuartas betont:”Obwohl Kometen wahrscheinlich doch nicht sämtliches Wasser auf die Erde gebracht haben, wie wir es in der Vergangenheit dachten, könnten sie doch eine sehr wichtige Rolle bei der Entwicklung der frühen Erdatmosphäre gespielt haben.”

Link zur Studie “The location of Asteroidal Belt Comets (ABCs), in a comets’ evolutionary diagram: The Lazarus Comets” (Pdf), Ignacio Ferrin, Jorge Zuluaga, Pablo Cuartas

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