Eta-Aquariden – heftiger Sternschnuppen-Regen des Halleyschen Kometen trifft die Erde

Eta Aguarid Shower 05062013 UTC Sandia / NMSU Allsky Cam Parker, AZAm Morgen des 6. Mai 2013 meldeten Beobachter aus Ostasien und später auch Europa eine ungewöhnlich hohe Sternschnuppen-Aktivität der so genannten Eta-Aquariden. Die Sternschnuppen gehen auf Staubteilchen des Halleyschen Kometen zurück, der uns zuletzt im Jahr 1986 besuchte, und dessen Bahn unsere Erde alljährlich durchquert. In den Tagen bis zum 20. Mai könnte sich die weitere Beobachtung der helleren Meteore auch von Deutschland aus lohnen.

Foto oben: die Eta-Aquariden auf einer länger belichteten Aufnahme einer Überwachungskamera, 05062013 UTC Sandia / NMSU Allsky Cam Parker, Arizona

Die Eta-Aquariden werden auch Mai-Aquariden genannt. Beobachten kann man sie jedes Jahr in einem Zeitraum von Anfang Mai bis zum 20. Mai. Dann nämlich fliegt unsere Erde, auf ihrer Bahn um die Sonne, durch die ehemalige Flugbahn des berühmten Halleyschen Kometen (1P/Halley). Der Staub des Kometen hat sich großräumig entlang seiner Flugbahn verteilt, während der eigentliche Kometenkern sich längst wieder in die Tiefen des Alls verabschiedet hat und das innere Sonnensystem erst wieder im Jahr 2061 besuchen wird.
Halleysche Komet, 1986, (c) public Domain, NASA, Quelle: Kuiper Airborne Observatory, C141 aircraft April 8/9, 1986, New Zealand Expedition, WikipediaFoto: Der Halleysche Komet zog 1986 an unserem Himmel vor der Milchstraße vorbei. (c) public Domain, NASA, Quelle: Kuiper Airborne Observatory, C141 aircraft April 8/9, 1986, New Zealand Expedition, Wikipedia

Meteorstrom – Mitten im ‘Schneegestöber’

Für Beobachter auf der Erde scheinen die Sternschnuppen der Eta-Aquariden (Kometenstaubteilchen, die mit sehr hohen Geschwindigkeiten mit bis zu 65 km/sek. in unsere Erdatmosphäre eintreten und dabei verglühen) aus einem Zentrum am Himmel zu kommen, den man auch Radiant nennt. Vergleichbar ist der Effekt mit einer winterlichen Autofahrt durch ein Schneegestöber. Schaut man dabei in Fahrtrichtung durch die Windschutzscheibe scheinen die Schneeflocken alle von einem gemeinsamen Zentrum vor uns zu kommen und in alle Richtungen an uns vorbeizuziehen. Es ist der gleiche Effekt, wenn wir mit unserem ganzen Planeten Erde durch den zurückgebliebenen Staub des Kometen rasen und dabei hoch in den Himmel blicken. Die Sternschnuppen (Meteore) flitzen über den ganzen Himmel und scheinen aus einem gemeinsamen Zentrum (Radiant) nahe des Sterns Eta Aquarii zu kommen.

Meteorstrom der Eta-Aquariden im Mai 2013, (c) StellariumAbb. oben: Mitten im Schneegestöber – Früh morgens kann man die Sternschnuppen der Eta-Aquariden in den ersten Maiwochen beobachten. Diese schematische Ansicht soll den Effekt des Radianten verdeutlichen. In Wahrheit beobachtet man die Meteore des Schwarms wesentlich vereinzelter und über einen längeren Zeitraum, (c) Stellarium.

Durchschnittlich kann man bis zu 20 Meteore der Eta-Aquariden pro Stunde beobachten. In den Tagen des Maximums kann sich die Zahl auf ca. 40/h erhöhen. Von Mitteleuropa aus sind die Eta-Aquariden nur kurz vor der Morgendämmerung gut zu beobachten, da ihr Radiant im Sternbild Wassermann nur eine geringe Höhe über dem Horizont erreicht. Durch den flachen Eintrittswinkel in die Erdatmosphäre erscheinen uns die Meteorbahnen dabei länger als gewöhnlich.

Eta-Aquariden überraschen mit starkem Maximum

Für Beobachter in südlicheren Breitengraden ist der Meteorstrom ein auffälliges Ereignis, wie jetzt auch die aktuellen Meldungen vom 6. Mai, aus Ostasien (hier über Singapur) und Australien, zeigen (Skyweek berichtete). Offensichtlich fiel das Maximum des Meteorstroms dieses Jahr auch intensiver aus und es konnten deutlich mehr helle Sternschnuppen beobachtet werden als sonst üblich. Die Erde bewegte sich also scheinbar durch einen Bahnabschnitt des Halleyschen Kometen, der mit einer höheren Konzentration von größeren Staubteilchen angereichert ist. Auffallend helle und lange Leuchtspuren der Meteore waren oder sind noch die Folge. [Nachtrag von 16.00 Uhr: Der Wissenschaftsjournalist Daniel Fischer, Skyweek, kommentiert auf meiner facebook-Seite soeben: "...das trifft es nicht (buchstäblich): Vielmehr ist die Erde unerwartet in einen jener Dust Trails des Kometen geraten, die - wegen der Startgeschwindigkeit der Staubteilchen und des Strahlungsdrucks der Sonne auf sie - *andere* Wege im Sonnensystem gehen als der Komet selbst. Noch sind die Experten sprachlos, wie ich einer entsprechenden Mailinglist entnehme ..."]

Beobachten Sie die Meteore selbst

In den frühen Morgenstunden der nächsten Tage, bis zum 20. Mai, könnte sich eine weitere Beobachtung der Eta-Aquariden auch von Deutschland aus lohnen. Hellere Meteore sind weiterhin möglich, auch wenn ihre Anzahl pro Stunde sicher wieder zurückgehen wird, da die Erde den dichteren Teil der Kometenstaubwolke wieder verlassen wird. Frühaufsteher sollten jedoch gute Wetterbedingungen an Ihrem jeweiligen Beobachtungsort für eigene Beobachtungen nutzen. Dabei beobachtet man den Himmel am besten nur mit dem bloßen Auge, da das Gesichtsfeld dann am größten ist und einem so möglichst wenige Sternschnuppen entgehen.

J. Herschel beobachtet den Halleyschen Kometen, (c) public Domain, Quelle: Wikipedia Abb. links: Der Astronom John Herschel beobachtet den Komet Halley im Jahr 1835. Ausschnitt aus einer Illustration von Paul Dominique Philippoteaux, 1877, (c) public Domain, Quelle: Wikipedia

Über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahrtausenden sind übrigens Sichtungen des Halleyschen Kometen nachgewiesen, da er in Erdnähe stets auch mit dem bloßen Auge zu sehen war. Über die Jahrhunderte verliert der Komet jedoch weiter an Helligkeit, da sich in Sonnennähe immer weniger Gas und Staub aus seinem Kern lösen.

Im Jahr 1985 war der Halleysche Komet sogar das Ziel von fünf Raumsonden der ESA (Giotto), Japans (Sagikake, Suisei) und der Sowjetunion (Vega).

Ich wünsche Ihnen und Euch viel Erfolg bei einer persönlichen Sternschnuppen-Jagd!

Clear Skies, Christian Preuß

Linktipp: Man darf auch gespannt sein, welchen Effekt der Staub des Kometen ISON auf die Erde haben wird. Helle Sternschnuppen sind nicht zu erwarten aber treffen die Prognosen der NASA bezüglich Komet ISON ein?

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