Jetzt beobachten: Komet PANSTARRS Reise durch das Sternbild Cassiopeia

Komet PANSTARRS im Sternbild CassiopeiaDie allgemeine Berichterstattung über den Kometen C/2011 L4 PANSTARRS, in den Medien, ist in den letzten Wochen sichtlich zurückgegangen. Zu Unrecht, wie ich aus meiner eigenen Beobachtung des Kometen am 14. April schließe. PANSTARRS ist zwar wieder lichtschwächer, wird dafür aber in der Cassiopeia leichter auffindbar, zeigt im Teleskop immer noch einen Schweif und ist fast die ganze Nacht über am Himmel über Deutschland sichtbar.

Es stimmt zwar: Der Komet ist nun zwar nicht mehr so hell wie im März und kein Objekt für das bloße Auge mehr; Dafür bleibt PANSTARRS aber weiterhin ein lohnendes Beobachtungsziel für Besitzer eines lichtstarken Teleskops. Es besteht also überhaupt kein Grund, dem Kometen nun schon ‘den Rücken zu kehren’.

Die enge ‘Begegnung’ des Kometen PANSTARRS mit dem Andromedanebel (M31), zwischen dem 1. und 5. April, habe ich auf diesen Webseiten dokumentiert. Astrofotografen aus aller Welt hielten das seltene Ereignis in spektakulären Aufnahmen fest. Eine eigene Beobachtung des kosmischen Zusammentreffens war mir leider nicht möglich. Die Witterungsverhältnisse an meinem Wohnort, in Bad Honnef, ließen eine freie Sicht auf PANSTARRS und M31 nicht zu.

Am 14. April spielten das Wetter und die Sichtbedingungen über dem Siebengebirge aber so gut mit, dass ich nochmals nach PANSTARRS Ausschau halten konnte. Im 15×70 Fernglas fand ich ihn relativ schnell unterhalb des markanten Himmels-W’s des Sternbilds Cassiopeia. Der Komet erschien als schwach nebeliges Objekt und auch der Schweifansatz war bei genauerem Hinsehen erkennbar. PANSTARRS ist im April eigentlich auch für Anfänger in der Hobbyastronomie leichter zu entdecken, da die Sterne der Cassiopeia eine sehr gute Orientierung bieten. Man benötigt aber eine gutes Aufsuchhilfe und ein größeres Fernglas dafür. Vergleicht man die Sternbildfigur der obigen Karte mit dem Anblick am Himmel und im Fernglas, sollte auch ein unerfahrener Beobachter den Kometen finden können.

PANSTARRS über Deutschland – Komet der ganzen Nacht

Im März erschien der Kometen zwar deutlich heller, dafür war er aber im abendlichen Horizontdunst und in den Lichtglocken über unseren Städten nicht leicht zu finden. Markante Sternbildfiguren, die der Orientierung hätten dienen können, suchte man im Westen auch vergebens. Nicht wenige Beobachter hatten so ihre Schwierigkeiten, den Kometen überhaupt zu finden. Mittlerweile ist der Komet weiter gewandert und durchstreift nun das auffällige Sternbild der Cassiopeia. In unseren Breiten geht der Komet jetzt gar nicht mehr unter und wird zum Objekt der ganzen Nacht. Nehmen Sie sich daher die Zeit, um den Kometen ganz in Ruhe zu finden. Die Zeit um und nach Mitternacht ist dafür sehr gut geeignet.

Suchen Sie den Kometen zuerst mit einem lichtstarken Fernglas ab 15×70 oder größer auf. Das Sucherfernrohr mit 8×50 oder 9×50 Ihres Teleskops (Lesetipp: Hobby Astronomie: Ein lichtstarkes Dobson Teleskop, nicht nur für Kometen!) erfüllt den gleichen Zweck. Darin sollte der Komet im April noch einigermaßen gut sichtbar sein. Ich fand und beobachtete PANSTARRS in der Nacht vom 14. auf den 15. April von 23.00 bis 00.15 Uhr (MESZ) mit meinem 20cm Dobson-Spiegelteleskop (f=1200mm, Öffnungsverhältnis f/6). Im 9×50 Sucher fand ich den Kometen relativ schnell, da war ich selber überrascht. Ich richtete das Teleskop dann so aus, dass der Komet genau in der Mitte des Fadenkreuzes lag, welches im Sucher integriert ist. Danach konnte ich PANSTARRS ganz entspannt beim Blick durch das eigentliche Teleskop entdecken. Man sollte dabei Okulare mit möglichst großer Brennweite und größerem Eigengesichtsfeld verwenden. Ich selbst setze an meinem Teleskop ein 2″ Okular mit 35mm ein, welches eine geringe Vergrößerung von 34fach bietet und über ein Gesichtsfeld von 68° verfügt. Eine Offenbarung war auch der Blick durch ein 13mm Okular bei einem Eigengesichtsfeld von 100°. Der Komet erschien dann 93fach vergrößert mit ausreichend Himmelsumgebung um ihn herum, so dass nicht nur seine Kernregion sichtbar war.

Von der Kometenbeobachtung zur Hobbyastronomie

Komet PANSTARRS, gesehen durch ein TeleskopPANSTARRS im April 2013 zeigt Ihnen im Okular immer noch einen deutlich erkennbaren Schweif. Je nach Dunkelheit des Himmelshintergrundes und Ihren individuellen Beobachtungsbedingungen vor Ort, erscheint Ihnen der Komet natürlich auch unterschiedlich deutlich im Gesichtsfeld Ihres Okulars (siehe Abbildung links: eine Zeichnung des Kometen PANSTARRS nach dem visuellen Eindruck am Okular). Für Ihre Beobachtungen sollten Sie daher einen möglichst dunklen Beobachtungsort mit freier Sicht nach Norden und Nordosten aufsuchen. Die Lichtglocken über größeren Städten oder Siedlungen sollten Sie möglichst meiden. Gewöhnen Sie Ihre Augen auch ausreichend lange an die Dunkelheit. Auf diese Weise werden Sie das schwache Licht des Kometen besser wahrnehmen können. Und: Nehmen Sie sich Zeit für ihre Beobachtung.

Blicken Sie nicht direkt auf den Kometen, sondern etwas seitlich an ihm vorbei. Dabei werden Sie bemerken, dass Ihnen der Komet deutlicher sichtbar erscheint. Dies ist keine Einbildung, sondern liegt darin begründet, dass der lichtempfindlichste Punkt auf der Netzhaut unserer Augen nicht etwa im Zentrum, sondern leicht versetzt daneben, liegt! Erfahrene Hobbyastronomen nutzen dieses Wissen und beobachten viele lichtschwache Objekte mittels des so genannten ‘indirekten Sehens’.

Bei der Beobachtung des Kometen PANSTARRS durch ein Teleskop schulen Sie also regelrecht Ihr astronomisches Sehen. Mit der Zeit werden Sie so immer mehr Details erkennen können!

Fazit: Der Komet PANSTARRS ist gerade auch im April ein lohnenswertes ‘Reiseziel’ für Ihre Augen. Haben Sie noch nie einen Kometen mit eigenen Augen gesehen? Mit einem geeigneten Teleskop haben Sie jetzt noch die Gelegenheit dazu. Ganz nebenbei gelingt Ihnen so auch der erfolgreiche Einstieg in die Hobbyastronomie, der Ihnen, mit der Sichtung von PANSTARRS unter dunklem Himmel, in unvergesslicher Erinnerung bleiben wird. So ‘trainiert’ sind Ihre Augen dann gut vorbereitet auf den vermutlich noch viel helleren Kometen C/2012 S1 (ISON), der uns von Oktober 2013 bis Januar 2014 in Atem halten wird!

© Christian Preuß, 2013 - Impressum
Visit Us On FacebookVisit Us On TwitterCheck Our Feed