Komet ISON, Lovejoy und die Galaxie M82 – eine schlaflose Kometennacht im Siebengebirge

Komet Lovejoy und M82, (c) C. PreußIn der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober erlaubte das Wetter in Bad Honnef (Naturpark Siebengebirge) eine freie Sicht auf die Kometen und andere Himmelsobjekte. Die Wetterlage versprach einen nahezu wolkenfreien Himmel mit sternklarer Nacht bis in die späten Morgenstunden. Das graue Herbstwetter kommt früh genug, dachte ich, und beschloss, die Chance für eine kleine Kometenjagd zu nutzen! Auch ISON sollte mein Ziel sein. Mein Wecker ging um 3.00 Uhr nachts…

Die Nacht war kurz, zu kurz. Geschlafen habe ich leider kaum. Zu sehr kreisten meine Gedanken bereits um die Vorstellung, dass ich endlich einen ersten Blick auf den Kometen ISON und die anderen Kometen Lovejoy, 2P/Encke und LINEAR werfen könnte. Würde der Himmel morgens noch so klar sein wie am Abend? Um 3.00 Uhr ging der Radiowecker an. Ich hatte das Gefühl, dass ich noch kein Auge zugemacht hatte, wälzte mich trotzdem aus dem Bett und ging hinüber an das Fenster mit freiem Kontroll-Blick nach Süden.

Kometen für Frühaufsteher

Wow!!! Da strahlten der Orion und der helle Jupiter schon hoch und klar im Süden. Die Nacht war wirklich sternenklar. Alle Müdigkeit war vergessen. Wenige Minuten später hatte ich mich warm angezogen. Die Temperaturen sollten sich in dieser Nacht um die 5° Celsius bewegen. Als ich den dunklen Garten betrat und nach oben blickte, wusste ich sofort, dass sich die Mühe gelohnt hatte. Kein Wölkchen behinderte die Sicht. Die Sterne schienen klar und zahlreich auf mich hinab. Rund zwanzig Minuten später hatte ich mein großes 12″ (30cm) Sky-Watcher Flextube Goto Dobson Spiegelteleskop aufgebaut, die Optik mit meinem Speziallaser von Hotech kollimiert und die elektrische Steuerung nach den beiden Sternen Polaris und Beteigeuze ausgerichtet. Nun würde das Teleskop jedes gewünschte Objekt nach Eingabe der Koordinaten in die Handsteuerbox finden. Die Himmelspositionen der vier Kometen hatte ich bereits am Vorabend in der zugehörigen Datenbank gespeichert. Nun brauchte ich sie nur noch aufzurufen. Die Jagd nach den Kometen konnte beginnen.

12" Sky-Watcher Flextube Goto Dobson, (c) C. PreußFoto oben: Mit diesem 12″ Sky-Watcher Flextube Goto Dobson Spiegelteleskop, hier ausgerüstete mit Spezial-Sonnenfiltern, während der Fotografie von Sonnenflecken, gehe ich auch auf Kometen- und Galaxienjagd. Auf dem Bild erkennt man auch die i-Nova CCD-Kamera im Okularstutzen des Teleskops, welche via USB-Kabel mit meinem kleinen Notebook verbunden ist (c) C. Preuß

Erstes Ziel war der Komet C/2013 R1 (Lovejoy). Der Blick durch mein 13mm Televue Ethos Okular war schlicht atemberaubend. Die Kometenkoma war sofort und deutlich sichtbar. Lovejoys Helligkeit bewegt sich zur Zeit auch knapp an der Grenze, wo der Komet auch für das bloße Auge sichtbar wird. Unter dunklem Himmel können Sie den Kometen auf jeden Fall gut mit einem lichtstarken Fernglas oder Teleskop beobachten. Nutzen Sie die Gelegenheit, sobald die Wetterbedingungen an Ihrem Beobachtungsort dies zulassen! Lovejoy steht mitten in der Nacht hoch am Himmel, viel höher als die anderen derzeit sichtbaren Kometen, ISON eingeschlossen.

Kometenfotografie mit einem Dobson-Teleskop

Lovejoy ist auch für Kometenfotografen wie Damian Peach ein lohnendes Ziel. Ich habe den Kometen mit meiner Planetenkamera i-Nova CCD-Kamera in s/w aufgenommen. Die Planeten-Kamera ist auch für Aufnahmen von Galaxien, Gasnebeln oder Kometen geeignet, wenn man die Brennweite seines Teleskops nur genug verkürzen kann. Dies realisiere ich durch die Verwendung einer kleinen 0.5fach Focal-Reducer Linse, die ich einfach in die 1.25″ Einsteckhülse der i-Nova einschraube. So wird aus meinem f/5 Dobson ein noch lichtstärkeres f/2.5 Instrument. Um die anvisierten Objekte nun noch in den Brennpunkt zu bekommen setze ich einen kürzer bauenden Crayford-Okularauszug mit einem 1:10 Feintrieb an meinem Teleskop ein. Auf dem Bildschirm des an die Kamera angeschlossenen Notebooks war Lovejoy somit deutlich zu erkennen. Ein tolles Gefühl, wenn man nachts unter den Sternen und Kometen steht und die Objekte auf dem Monitor noch heller und detailreicher erstrahlen.

Komet Lovejoy, 31.10.2013, (c) C. PreußFoto oben: Komet C/2013 R1 (Lovejoy), 31.10.2013, 12″ Sky-Watcher Flextube Goto Dobson, 0.5fach Focal-Reducer zu f/2.5, i-Nova monochrom CCD-Kamera, 41x12sek. = 8.2 min., Bildbearbeitung in DeepSkyStacker und Photoshop, größere Version, (c) C. Preuß, Sternfreunde-Siebengebirge.de

Mein nächstes Ziel war Komet ISON. Er war deutlich schwieriger zu erkennen als Lovejoy, zeigte aber wenigstens schon einen kleinen Schweif. Dies lag einmal an seiner geringeren Helligkeit aber auch am morgendlichen Nebel aus dem Rheintal, der sich langsam aber sicher entwickelte. Eine CCD-Aufnahme gelang mir leider noch nicht, wanderte der Komet doch auch noch hinter das Dach eines Nachbarhauses. Schade, dann eben beim nächsten Mal!

M82 – die Galaxie im Garten

So schwenkte ich mein Teleskop noch auf die Galaxie M82, die hoch im Nordosten, am noch nebelfreien Himmel, stand. Als die rund 12 Millionen(!) Lichtjahre entfernte Galaxie auf dem Bildschirm meiner kleinen Gartensternwarte erschien, staunte ich nicht schlecht. Groß und detailreich erschien sie mir dort und war absolut eine Aufnahme wert. Ich belichtete nun jeweils auch durch ein Rot-, Grün- und Blaufilter, um daraus später noch eine Farbaufnahme am Computer gewinnen zu können. Unten sieht man das Ergebnis.

Galaxie M82, 31.10.2013, (c) C. PreußFoto oben: Galaxie M82, 12″ Sky-Watcher Flextube Goto Dobson, 0.5fach Focal-Reducer zu f/2.5, i-Nova CCD-Kamera, RGB-Version mit 3x10min. und 5 Darkframes, Bildbearbeitung in DeepSkyStacker und Photoshop, Bad Honnef, 31.10.2013, größere Version, (c) C. Preuß, Sternfreunde-Siebengebirge.de

Die Kometen 2P/Encke und C/2012 X1 (LINEAR) konnte ich in dieser Nacht leider nicht mehr beobachten. Der dichte Nebel aus dem Rheintal machte gegen 5.15 Uhr jede weitere Beobachtung unmöglich und so packte ich wieder meine Sachen ein. Zwei Kometen und eine Galaxie,-  glücklich sank ich gegen 5.45 Uhr in den wohlverdienten Schlaf;)

Augen auf zum Kometenmarathon 2013!

Der November wird nun eine sehr spannende Zeit. Komet ISON wird rasch und deutlich an Helligkeit gewinnen und sollte bis Mitte des Monats auch ein Objekt für das bloße Auge sein. Er nähert sich unserer Sonne immer mehr an und passiert sie am 28.11. in kürzester Entfernung von rund 1.8 Millionen Kilometern. Zum Vergleich: Unsere Sonne hat einen Durchmesser von rund 1.4 Mio. Kilometern. Ob ISON dabei zerfällt oder ‘überlebt’, weiß derzeit niemand. Falls er die Sonne fast unbeschadet hinter sich lassen kann, dann könnte ISON in den ersten beiden Dezemberwochen mit einem großen Schweif am Himmel stehen. Beobachten Sie den Kometen bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit Ihren eigenen Augen und verfolgen Sie seine Reise einfach selbst! Und: beobachten Sie auch die anderen drei Kometen, wenn es Ihnen möglich ist. – Der Kometenmarathon 2013 hält uns weiter in Atem! C. Preuß

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