Startverschiebung der indischen Marsmission Mangalyaan wegen Komet C/2013 A1 (SIDING SPRING)?

Mars, Komet Siding Spring und Mangalyaan, (c) NASA, ISROIm Oktober 2014 könnte sich unser Nachbarplanet MARS im Schweif des Kometen C/2013 A1 (SIDING SPRING) befinden. Es besteht sogar eine derzeitige Wahrscheinlichkeit von 1:2000*, dass der Komet auf dem Mars einschlägt, teilt die NASA mit. Grund genug für die indische Raumfahrtbehörde ISRO, den für den 26. November geplanten Start ihrer Raumsonde Mangalyaan neu zu überdenken.

Abb. oben: Eine künstlerische Darstellung des Kometen SIDING SPRING, der sich hier im Anflug auf den Mars befindet. Rechts im Bild sieht man die indische Sonde Mangalyaan, die den mars eigentlich im September 2014 erreichen soll. Screenshot aus dem (c) NASA Science Cast und Mangalyaan (c) ISRO

Nach dem eigentlich für Oktober 2013 geplanten Start von Mangalyaan soll die Sonde am 26. November 2013 ihre Erdumlaufbahn verlassen, und den Mars am 22. September 2014 erreichen. Mangalyaans Ankunft läge also nur einen Monat vor der größten Annäherung des Kometen SIDING SPRING an den Mars. Die Sorge der indischen Raumfahrttechniker ist daher, dass Mangalyaans Untersuchungen der Marsatmosphäre verfälschte Ergebnisse liefern könnten. Mangalyaan soll die Atmosphäre des Mars auf Spuren von Methan untersuchen, welches ein Indiz für bakterielles Leben auf dem Mars sein könnte. Da der Kometenschweif von SIDING SPRING große Mengen an Methan enthalten wird, könnten Mangalyaans Messungen negativ beeinflusst werden. Eine andere Befürchtung der ISRO ist, dass Mangalyaan selbst Schaden nehmen könnte, falls SIDING SPRING auf dem Mars einschlagen* würde. Die ISRO will in Kürze eine Entscheidung treffen, ob der Start von Mangalyaan auf das Jahr 2016 oder 2018 verschoben wird. Erst dann würden sich wieder geeignete Startfenster zum Mars öffnen.

Kometenjagd – NASA plant Beobachtungskampagne beim Mars

Derweil nähert sich der Komet SIDING SPRING weiter dem Mars. Mittlerweile geht die NASA davon aus, dass der eigentliche Kern des Kometen – im Grunde ein gigantischer Eisberg aus Eis, Staub und Gasen – einen Durchmesser von rund 3 Kilometern hat. Für Oktober 2014 plant die NASA schon jetzt eine groß angelegte Beobachtungskampagne mit Hilfe aller Raumsonden und Rover, die sich derzeit beim und auf dem Mars befinden. Die Sonden Mars Express, Mars Odyssey, der Mars Reconnaissance Orbiter und die beiden Mars-Rover Curiosity und Opportunity sollen spektakuläre Aufnahmen des Kometen liefern. Schon im Oktober 2013 hat die NASA die günstige Gelegenheit für einen ersten Test ihres Vorhabens. Dann nämlich passiert der Komet ISON, auf seinem Weg Richtung Sonne, den Mars in sicherer Entfernung. Man darf gespannt sein, welche Aufnahmen von ISON den verschiedenen Mars-Sonden und Rover gelingen werden! Das Ergebnis wird der NASA auf jeden Fall eine gute Vorstellung davon geben, welche Aufnahmen von SIDING SPRING im Oktober 2014 möglich sein werden.


Video: NASA ScienceCasts – “Collision Course? A Comet Heads for Mars“, Quelle ScienceAtNASA, YouTube

Da eine Kollision* des Kometen SIDING SPRING mit dem Mars derzeit noch nicht* ganz ausgeschlossen werden kann, macht sich die NASA auch Gedanken darüber, wie man die eingesetzten Sonden vor einer Beschädigung schützen kann. Dabei wird auch überlegt, ob man die Sonden auf die dem Einschlagpunkt abgewandte Seite des Mars steuern sollte. Die Aufschlagwucht des Kometen würde rund 30 Prozent jener Energie freisetzen, die einmal ein ganz anderer und frühzeitlicher Einschlag eines Meteoriten auf der Erde entfaltete. Vor rund 65 Millionen Jahren gingen daran die Dinosaurier auf der Erde zugrunde. Ein Einschlag von SIDING SPRING auf dem Mars würde vielleicht kein höher entwickeltes Leben vernichten können, da es auf dem Mars vermutlich gar nicht existiert; Über die mögliche Existenz von mikrobakteriellen Lebensformen auf dem Mars weiß man bis heute noch nichts. Auf jeden Fall würde ein Kometen-Volltreffer* das Angesicht des Mars wohl für immer verändern und auch die zukünftige Erforschung des Roten Planeten, durch den Menschen, in völlig neue Bahnen lenken.

Teleskopische Beobachtungen von der Erde aus

Im Oktober 2014 kann man die Begegnung des Kometen SIDING SPRING mit dem Mars auch mit Hilfe eines Teleskops beobachten. Von Deutschland aus stehen beide dann allerdings tief über dem abendlichen Südhorizont und sind somit schwerer zu beobachten. Dennoch lohnt es sich auch für Hobbyastronomen ihre Teleskope auf Mars und SIDING SPRING zu richten. Je weiter südlich man beobachten kann, vielleicht sogar jenseits des Äquators, desto höher stehen sie über dem Horizont. In der Nacht des 19. auf den 20. Oktober 2014 findet die größte Annäherung oder sogar der Einschlag des Kometen auf dem Mars statt. Durch immer genauere Bahnberechnungen des Kometen wird man früh genug wissen, welcher Fall eintritt. Die Beobachtung des Ereignisses durch ein eigenes Teleskop, von einem guten Standort aus und mit freier und klarer Sicht nach Süden, wird sich definitiv lohnen. Die Helligkeit des Mars wird dann bei rund 1 mag. (durch Extinktion, d.h. Abschwächung des Lichts durch die Erdatmosphäre, bei 3.3 mag.) liegen. Der Komet wird eine Helligkeit von ca. 8.5 mag. (durch Extinktion eher 10 mag.) haben. Er ist also nur in einem Teleskop zu erkennen. Sollte SIDING SPRING auf dem Mars einschlagen*, könnte man den Lichtblitz vermutlich auch durch ein Teleskop wahrnehmen und fotografieren.

Nachfolgend finden Sie drei simmulierte Ansichten des Mars und des Kometen SIDING SPRING durch ein Teleskop und im umkehrenden Gesichtsfeld eines schwach vergrößerenden Okulars. Achten Sie auf die angegebenen Uhrzeiten in Mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ). Am Abend des 19. Oktober 2014 kann man so die Annäherung des Kometen an den Mars beobachten, vorausgesetzt man beobachtet weit genug südlich. Selbstverständlich können Sie am Teleskop auch noch höhere Vergrößerungen einsetzen. Die Abbildungen wurden mit Hilfe des Programms (c) Stellarium erstellt. Der Stern in der Bildmitte unterhalb von SIDING SPRING ist HIP 86291. Die Genauigkeit der Positionen ändert sich noch durch zukünftige und exaktere Bahndaten des Kometen.

[*NACHTRAG vom 10. April: Wie Skyweek heute berichtet, ist die Wahrscheinlichkeit für einen Einschlag des Kometen SIDING SPRING inzwischen auf 1:120000 gesunken. Eine Kollision ist daher eher unwahrscheinlich geworden.]
Mars und Komet Siding Spring

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