Vom Komet zum Jahrhundertkomet? – HUBBLE nimmt Komet ISON ins Visier

Komet ISON, kontrastverstärkte Aufnahme vom 10. April 2013, NASA, ESA, J.-Y. Li (Planetary Science Institute), and the Hubble Comet ISON Imaging Science Team Mit Hilfe des Weltraum-Teleskops HUBBLE gelingt der NASA am 10. April 2013 eine spektakuläre Aufnahme von Komet C/2012 S1 (ISON). Zu diesem Zeitpunkt stand uns ISON bereits etwas näher als der Riesenplanet Jupiter. Wird der Komet ISON ein “Jahrhunderkomet“? Die Erwartungen sich hoch.

Foto oben: Komet ISON, eine kontrastverstärkte Aufnahme vom 10. April 2013, “This is a contrast-enhanced image produced from the Hubble images of Comet C/2012 S1 (ISON) to reveal the subtle structure in the inner coma of the comet. In this computer-processed view, the Hubble image has been divided by a computer model coma that decreases in brightness proportionally to the distance from the nucleus, as expected for a comet that is producing dust uniformly over its surface. ISON’s coma shows enhanced dust particle release on the sunward-facing side of the comet’s nucleus, the small, solid body at the core of the comet. This information is invaluable for determining the comet’s shape, evolution, and spin of the solid nucleus.”, (c) NASA, ESA, J.-Y. Li (Planetary Science Institute), and the Hubble Comet ISON Imaging Science Team

Zum Zeitpunkt der Aufnahme war ISON rund 634 Millionen Kilometer von der Erde entfernt (und 621 km von der Sonne). Bereits in dieser großen Entfernung ist der Komet sehr aktiv. Durch die Einwirkung der Sonnenstrahlung verliert der gefrorene Kometenkern bereits große Mengen an Staub (momentan 52000 kg pro Minute) und Gas. Dabei bildet sich schon jetzt ein Kometenschweif, den man auf den Hubble-Aufnahmen gut erkennen kann. Eine genauere Analyse der Staubwolke (Koma) um den festen und vereisten Kometenkern, zeigt, dass sich Kometenstaub-Partikel innerhalb eines regelrechten Jets auch von der der Sonne zugewandten Seite des Kerns lösen.

Komet ISON – Der Sonnenstreifer

Vorläufige Messungen ergeben eine Größe des Kometenkerns von ca. 4,8 – 6,4 Kilometern. Angesichts der großen Aktivität, die der Kern des Kometen bereits jetzt entfaltet, sei die tatsächliche Größe von ISONS Kometenkern bemerkenswert klein, sagen die Wissenschaftler. Die Untersuchungen der HUBBLE-Aufnahmen durch Astronomen sollen genauere Vorhersagen ermöglichen wie sich der Komet ISON in größerer Nähe zur Sonne verhalten wird. ISON nähert sich der Sonne derzeit mit knapp 76000 km/h. Am 28. November wird ISON der Sonnenoberfläche bis auf 1,2 Millionen km nahe kommen. Er wird daher auch als “Sonnenstreifer” (engl. Sungrazer) bezeichnet. Ob der Komet diese sehr dichte Annäherung überstehen wird, in mehrere Teile auseinander bricht oder verdampft, ist noch offen. Derzeit gehen die meisten Wissenschaftler aber davon aus, dass ISON seinen nahen Vorbeiflug an der Sonne überstehen kann, da sein Kometenkern als relativ fest eingestuft wird.

Komet ISON, (c) Nasa, ESA, HubbleFoto: Der Komet ISON, Aufnahme vom 10. April 2013, NASA, ESA, J.-Y. Li (Planetary Science Institute), and the Hubble Comet ISON Imaging Science Team, “This image was originally black and white and recorded only overall brightness. These brightness values were translated into a range of bluish hues. Such color “maps” can be useful in helping to distinguish subtly varying brightness in an image.”

Der Durchmesser der Kometenkoma beträgt derzeit rund 4989 km. Der Staubschweif hat eine Länge von 92000 km und ragt damit bereits weit über das Gesichtsfeld der Hubble-Kamera hinaus. In Sonnennähe wird ISONs Koma einen Durchmesser von vermutlich mehreren Hunderttausend Kilometern haben. Sein Kometenschweif wird dann eine Länge von einigen Millionen oder hunderten Millionen Kilometern besitzen.

Komet ISON, NASA, ESA, J.-Y. Li (Planetary Science Institute), and the Hubble Comet ISON Imaging Science TeamHubble fotografierte den Kometen ISON im sichtbaren Licht. Bei der blauen Einfärbung handelt es sich allerdings um eine Falschfarben-Darstellung, um die Details der Kometenstruktur besser sichtbar werden zu lassen.

ISON – Komet, Sonnenstreifer und “Jahrhundertkomet”?

Die Aufnahme von Hubble zeigt ISON schön hell und groß. Noch ist der Komet ISON aber sehr weit von uns entfernt und daher nicht mit dem bloßen Auge oder in kleineren Teleskopen zu sehen. Es gibt allerdings auch schon erste und bemerkenswerte Aufnahmen des Kometen, die erfahrene Amateurastronomen mit etwas größeren Teleskopen gewinnen konnten.

Die weltweiten Erwartungen der Gelegenheitsbeobachter, Hobby- und Profi-Astronomen, an Komet ISON, sind sehr hoch. Viele hoffen auf eine spektakuläre Entwicklung seiner Helligkeit, die ihn im November und Dezember 2013 zu einem leichten Beobachtungsobjekt für das bloße Auge machen würde. Die Helligkeit seines Kometenkerns könnte dann sogar die des Vollmondes übertreffen und ISON wäre mit seinem Schweif sogar am Taghimmel sichtbar, wenn er der Sonne am nächsten kommt. Die Beobachtung mit einem Fernglas und einem guten Teleskop wird sich dann auch für Hobbyastronomen sehr lohnen. Beobachtungen in Sonnennähe setzen allerdings besondere Vorsichtsmaßnahmen voraus! Schauen Sie im Oktober/November, bei Ihrer Suche nach ISON, niemals(!) mit dem bloßen Auge, einem Fernglas oder mit Hilfe eines Teleskops direkt in die Sonne. Schwere Augenschäden oder die sofortige Erblindung könnten die Folge sein. Hinweise und Tipps, wie Sie Ihre Augen schützen müssen, und den Kometen somit völlig sicher und entspannt beobachten können, werden Sie hier in den kommenden Monaten finden. – Bleiben Sie neugierig!

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