Von UFOs, Schwarzsehern und Optimisten – Komet ISON nähert sich uns unbeirrt!

Komet ISON im Perihel, Bahnsimulation, (c) INOVEKaum ist der astronomische Sommerurlaub, unter einer wirklich fantastischen(!) Milchstraße in der italienischen Toskana, beendet, da taucht der interessierte Kometenbeobachter wieder in die mediale Gerüchteküche um den Kometen ISON ein, der nun bald an unserem Himmel sichtbar werden wird. – Deutet das Foto eines Amateurastronomen etwa darauf hin, dass ISON bald zerfallen und somit eine Enttäuschung werden wird? Oder ist ISON am Ende gar kein Komet, sondern ein UFO?

Abb. oben: Wird ISON in Sonnennähe zerfallen oder übersteht er sein Perihel am 28. November 2013 weitgehend unbeschadet?, Quelle solarsystemscope.com (c) Inove

ISON, – ein Komet, kein UFO!

Das Gerücht, es handle sich bei dem Kometen ISON um ein von Außerirdischen gesteuertes UFO, brachte ein Ufo-Blog in Umlauf. Da wurde behauptet, dass Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble eindeutig zeigen würden, dass es sich bei ISON gar nicht um einen Kometen handelt. Die Augsburger Allgemeine griff den Beitrag in einem eigenen Artikel “Komet Ison: Verschwörungs-Fans geben UFO-Alarm” auf und verzichtete dabei scheinbar auf jede weitere Recherche, welche die Behauptung schlicht ad absurdum geführt hätte.

In Wahrheit ist die merkwürdige Aufnahme des Hubble-Teleskops nämlich nur das Resultat eines missglückten Versuchs mit Hubble eine länger belichtete Aufnahme des Kometen zu machen, welche aber durch die Bahnbewegung des Weltraumteleskops und ISON selbst zunichte gemacht wurde! Darauf wies die NASA auch öffentlich hin und weitere Erklärungen finden sich auch unter “What’s going on with the Comet C/2012 S1 (ISON) images?” Das deutsche Wissenschaftsblog SkyWeek Zwei Punkt Null sah sich unter der Überschrift “Der Ursprung des “ISON ist ein UFO”-Schwindels” schließlich ebenfalls gezwungen die Wahrheit zu verkünden und die abstruse Behauptung richtig zu stellen. Einzig die Augsburger Allgemeine verzichtete bisher auf eine Richtigstellung in ihrem Beitrag vom 21. August (Stand: 28. August). Sehr schade.

“Message in a Bortle” – zerfällt ISON in Sonnennähe?

Von derlei ‘Aufregung’ völlig unbeirrt zieht ISON seine Bahn und nähert sich seinem sonnennächsten Punkt (Perihel) am 28. November, heute in drei Monaten, immer weiter an. Bruce Gary gelang am 12. August eine erste Aufnahme von ISON in der Morgendämmerung. Die dort sichtbare Erscheinung ISONs verleitete den Kometenbeobachter John Bortle zur pessimistischen Deutung, dass ISON keine Chance habe seinen sonnennächsten Punkt zu überstehen (“ISON has no chance of surviving its perihelion…“). Bortle ist also davon überzeugt, dass ISON in Sonnennähe zerfallen wird und sich somit zu keinem großartigen Kometen entwickeln kann. Andere Experten sind ganz anderer Meinung oder reagieren wesentlich entspannter, denn die Aufnahmen ISONs, entstanden unter derzeit noch schwierigen Bedingungen, am aufgehellten Morgenhimmel und tief über dem Horizont, erlauben im Grunde noch keine zuverlässigen Aussagen über ISONs wahre Helligkeit und weitere Entwicklung.

Am 18. August gelang dem Kometenfotograf Michael Jäger ebenfalls eine Aufnahme des Kometen ISON  auf der man schon einen 2′ langen Schweif aber noch keinerlei äußere Koma erkennt. Seither entstanden noch weitere Aufnahmen, die Bruce Gray beispielsweise auf seiner eigenen Webseite präsentiert und analysiert.  Grays Aufnahme vom Morgen des 27. August zeigt ISON dann tatsächlich auch schon etwas heller und sein Schweif scheint sich auch etwas weiter entwickelt zu haben.

Komet ISON am 27. August 2013, (c) Bruce Gary

Foto: (c) Bruce Gary fotografierte den Kometen ISON am Morgen des 27. August 2013. Der Komet zeigt eine leichte Zunahme der Helligkeit und einen ausgeprägteren Schweif als noch am 12. August. Dies passt zu der Tatsache, dass ISON gerade die sogenannte Frostgrenze überschritten hat. D.h. ISON hat sich der Sonne nun soweit angenähert, dass Wasser verstärkt sublimiert und dabei auch Kometenstaub mit sich reißt,- der Schweif sollte nun also immer weiter anwachsen.

“I’m new to comets so I don’t know if they can “come alive” and overcome the model that has characterized them well for almost a year during their approach. I just don’t know!” – Bruce Gary gegenüber Ison-Komet.de

ISON erscheint – It’s Showtime!

Es bleibt also spannend und ISONs Schicksal ist weiterhin noch völlig ungewiss. Allen Unkenrufen zum Trotz: ISON wird nun immer heller werden und bis Ende Oktober hoffentlich auch ein Komet für das bloße Auge sein. Im September und Oktober lohnt sich die Beobachtung bereits mit mittleren bis kleinen Teleskopen und lichtstarken Ferngläsern. Unsere Beobachtung seiner Reise beginnt gerade erst und ISON ist mit Sicherheit noch für jede Überraschung gut. Lassen Sie sich das aufregende Ereignis also nicht entgehen und versuchen Sie den Kometen doch einmal selbst zu beobachten oder zu fotografieren. Nichts geht über das eigene Erlebnis. Clear Skies und viel Spaß bei der eigenen Kometenjagd!

Linktipp: Aufsuchkarten für Komet ISON im September und Oktober

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